Bielefeld bekommt ein neues Gesundheitszentrum
Die Neue Westfälische berichtete im September 2022 über die Pläne für das GesundZentrum am Südring: Erlebniswelt, Forschungslabor der FH Bielefeld und ein Flüssigsauerstofftank auf dem Gelände.

Im Bielefelder Süden wird Fachwissen auf den Gebieten Reha, Medizintechnik, Pflege und moderne Assistenzsysteme gebündelt werden. Die Fachhochschule Bielefeld eröffnet dort ein eigenes Labor für intelligentes Wohnen.
Meist kommt es dann doch plötzlich: Mutter, Vater oder Partner werden krank, pflegebedürftig, brauchen mehr oder wenig Unterstützung, um im Alltag zu Hause noch zurechtzukommen. In diesen Momenten tauchen zumeist viele Fragen gleichzeitig auf, geht die Suche los nach Ansprechpartnern, den richtigen Hilfs- und Pflegemitteln, nach praktischen Helfern oder auch intelligenten Assistenzsystemen. Das neue Gesundheitszentrum Bielefeld, das am 29. Oktober am Südring eröffnen wird, will mit seinen gebündelten Angeboten verschiedener Gesundheitspartner eine zentrale Anlaufstelle für die Bielefelderinnen und Bielefelder werden – und ein Forschungszentrum zur Erprobung neuer Technologien.
Motor des Ganzen ist Markus Wendler, Geschäftsführer der Firma PVM, die bereits seit 23 Jahren Expertise auf den Gebieten Reha, Medizintechnik und häusliche Pflege anbietet. Daher weiß er genau um die Sorgen und Nöte seiner Kundinnen und Kunden. Und Wendler ist sich sicher, dass ein täglich geöffnetes Gesundheitszentrum, in dem niederschwellig und zielgerichtet mit Blick auf die Situation von Patienten täglich beraten, angefasst und ausprobiert werden kann, ein Gewinn für die Stadt wäre. Auch die Belange behinderter Menschen werden dort im Fokus stehen.
Für dieses Gesundheitszentrum hat PVM seinen Standort noch einmal für eine halbe Million Euro um 1.500 auf nun rund 4.500 Quadratmeter ausgebaut und die früheren Räume des „Ultimo“-Bekleidungsoutlets komplett übernommen. Zentraler Bereich wird eine „Erlebniswelt“ sein, in der die Menschen diverse Hilfsmittel in verschiedenen Wohnsituationen anschauen und ausprobieren können. Durch mobile Wände könne sogar die reale Wohnsituation der Patienten und Menschen mit Beeinträchtigungen simuliert werden, betont Wendler.
Mehr Sicherheit durch künstliche Intelligenz
Der Forschungsverbund CareTech OWL der Fachhochschule Bielefeld wird die „Erlebniswelt“ als Labor und Showroom für intelligentes Wohnen nutzen. Klassische optische Bewegungssensoren können beispielsweise bei der Sturzerkennung helfen. Neuartige Sensoren, die bald auf den Markt kommen, können Aktivitäten der Pflegebedürftigen messen und über eine App als Feedback an die Angehörigen senden, damit diese wissen, Mutter oder Vater sind auf den Beinen. Als Beispiel nennt Markus Wendler Smartmeter, die zwischen Geräten wie Kaffeemaschine oder Wasserkocher in die Steckdose eingesteckt werden und so „Lebenszeichen“ weitergeben.
„Es gibt bereits viele assistive Technologien“, sagt Udo Seelmeyer, Sprecher von CareTech OWL. „Aber wir stellen fest, dass davon noch relativ wenig in Pflege- oder Behindertenhilfe bekannt ist.“ Das soll sich ändern. Andere Hilfsmittel und Systeme will das Zentrum für Gesundheit, Soziales und Technologie weiterentwickeln, so dass mehr Sicherheit und ein möglichst langes selbstbestimmtes Leben möglich sind. In Zusammenarbeit mit den von Bodelschwinghschen Stiftungen soll deshalb auch eine spezielle Beratungsstelle im Gesundheitszentrum am Südring entstehen. Fördermittel sind bereits beantragt, sagt Seelmeyer.
Vorträge, Hilfsmittelschulungen und Informationsveranstaltungen – auch von Selbsthilfegruppen – sollen im Zentrum stattfinden können. Zusammen mit dem Ärztenetz Bielefeld soll ein neues „Wundmodul“ aufgebaut werden, so dass Wundsprechstunden stattfinden könnten. Platz wäre auch für einen der neuen Gesundheitskioske, die jetzt überall vorzugsweise auf dem Land eingerichtet werden, um die medizinische und pflegerische Versorgung zu verbessern, erklärt Bernd Reger, Molekularbiologe und technischer Leiter bei PVM.
Zudem werden Gespräche mit der Stadt geführt, ob diese auch einen ihrer Pflegestützpunkte am Südring unterbringen möchte.
Und noch eine Besonderheit wird das Gesundheitszentrum bekommen: Auf dem Gelände wird ein rund 15 Meter hoher Flüssigsauerstofftank aufgestellt, der rund 20.000 Liter Fassungsvermögen hat. Die Partnerfirma Luchs Medizin errichtet ihn und wird von dort vorrangig Lungenerkrankte zu Hause mit Flüssigsauerstoff beliefern und versorgen. Aber auch durchreisende Flüssigsauerstoff-Patienten, die sonst nur einen eingeschränkten Bewegungsradius haben oder gleich mehrere mobile Tanks mitnehmen müssen, sollen im Gesundheitszentrum nachfüllen können.
Veröffentlicht am 23. September 2022 · Alle Beiträge
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