Gesundheitsversorgung neu denken: Gemeinsam Lösungen gestalten – zu Gast: Prof. Dr. Wolfgang Greiner
Wie lässt sich Versorgung besser organisieren? Darüber diskutierten Prof. Dr. Wolfgang Greiner, Tom Brüntrup und Verantwortliche aus dem Gesundheitswesen am 2. September im GesundZentrum.

Wie lässt sich die Versorgung besser organisieren, sodass sie Menschen verlässlich unterstützt und die vorhandenen Mittel sinnvoll eingesetzt werden?
Genau darum ging es am 2. September 2026 im PVM GesundZentrum Bielefeld. Gemeinsam mit dem NRW-Landtagsabgeordneten Tom Brüntrup hatte unser Geschäftsführer Markus Wendler zum Austausch mit Prof. Dr. Wolfgang Greiner eingeladen. Prof. Dr. Greiner, Vorsitzender der FinanzKommission Gesundheit, ermöglichte Einblicke in die Arbeit der Kommission. Zahlreiche Verantwortliche aus dem Gesundheitswesen brachten ihre Erfahrungen und Fragen ein.
Versorgung gemeinsam denken
Ob Krankenhaus, Arztpraxis, Pflegedienst oder Hilfsmittelversorgung: Alle Beteiligten leisten einen wichtigen Beitrag. Doch gerade an den Übergängen gehen Informationen verloren oder bleiben Zuständigkeiten unklar. Für die Betroffenen geht das oft mit Unsicherheit einher, für das Gesundheitssystem bedeutet es zusätzlichen Aufwand.
Unser Anliegen ist deshalb eine Versorgung, die über einzelne Zuständigkeitsbereiche hinausgeht und den Menschen mit seinem gesamten Unterstützungsbedarf in den Mittelpunkt stellt.
„Wir müssen raus aus dem Denken in Sektoren und rein in eine gemeinsame Verantwortung für die Versorgung der Menschen.“
– Markus Wendler, Geschäftsführer PVM
Tom Brüntrup betonte, wie wichtig dafür der direkte Dialog zwischen Politik und Versorgungspraxis ist. Gerade in OWL bietet die enge Verbindung von regionalen Partnern, Wissenschaft und Krankenkassen gute Voraussetzungen, um gemeinsam tragfähige Lösungen zu entwickeln.
Finanzierbarkeit sichern und Strukturen verbessern
Prof. Dr. Wolfgang Greiner erläuterte die Aufgaben der FinanzKommission Gesundheit und ihre Empfehlungen zur Stabilisierung der gesetzlichen Krankenversicherung. Der erste Bericht umfasst 66 Empfehlungen für kurzfristige Entlastungen. Bis Ende 2026 sollen Vorschläge für mittel- und langfristige Strukturreformen folgen.
Dabei wurde deutlich: Für eine dauerhaft finanzierbare Gesundheitsversorgung braucht es auch besser abgestimmte Abläufe. Prävention, Digitalisierung und eine stärkere ambulante Versorgung können dazu beitragen. Entscheidend ist, dass Patientenwege nachvollziehbar organisiert sind und Informationen dort ankommen, wo sie gebraucht werden.
Die Kommission erarbeitet hierfür fachliche Vorschläge. Welche Maßnahmen umgesetzt werden, entscheiden Politik und Parlament.
CareConnect: Damit Versorgung zu Hause weitergeht
Wie eine besser vernetzte Versorgung konkret aussehen kann, stellten die regionalen Partner mit CareConnect vor. Das Konzept richtet sich insbesondere an ältere und schwer erkrankte Menschen, die nach einem Klinikaufenthalt zu Hause Unterstützung benötigen und beispielsweise nicht ausreichend durch Angehörige begleitet werden können.
Im Mittelpunkt steht eine feste persönliche Ansprechperson. Sie soll Anschlussbehandlungen, Medikamente, Pflege, Hilfsmittel und weitere Unterstützungsangebote koordinieren und den Überblick behalten.
Das Ziel: Menschen nach der Entlassung verlässlich begleiten, Versorgungslücken schließen und unnötige erneute Krankenhausaufenthalte vermeiden.
Regionale Partner bringen ihre Stärken zusammen
CareConnect ist ein Teilprojekt der bundesgeförderten Innovationscommunity ISyCARE. Dr. Maren Schorch von der Hochschule Bielefeld erläuterte, wie dort Gesundheitsversorgung, Sozialwesen, Wissenschaft und Technologie zusammenarbeiten. Danielle Nolte-Bohm von Pro Patient OWL stellte den auf 18 Monate angelegten konzeptionellen Projektablauf vor.
Auch die regionalen Betriebskrankenkassen unterstützen den Ansatz. Peter Kinnett, Vorstand der BKK Miele, hob stellvertretend für die BKK Miele, die BKK Gildemeister Seidensticker, die BKK DürkoppAdler und die Bertelsmann BKK den Nutzen besser organisierter Übergänge hervor.
Perspektivisch soll geprüft werden, wie sich das Konzept auf weitere Versorgungsstrukturen übertragen und mit der elektronischen Patientenakte sowie bestehenden digitalen Angeboten verbinden lässt.
Im Austausch bleiben und gemeinsam weiterdenken
Der anschließende Austausch unter der Moderation von Uwe Borchers, Geschäftsführer des ZIG OWL, war offen, engagiert und stellenweise kontrovers. Die zahlreichen Fragen zeigten, wie groß der Gesprächsbedarf ist und wie wichtig es bleibt, Erfahrungen aus dem Versorgungsalltag in die Reformdebatte einzubringen. Ein zentraler Gedanke verband die Diskussion: Versorgungsqualität und Finanzierbarkeit müssen gemeinsam betrachtet werden. Regionale Konzepte wie CareConnect können dazu praktische Erkenntnisse liefern.
Wir bedanken uns bei Prof. Dr. Wolfgang Greiner, Tom Brüntrup und allen Beteiligten für den intensiven Austausch. Gemeinsam mit unseren Partnern möchten wir den Dialog mit der FinanzKommission Gesundheit fortsetzen und unsere Erfahrungen aus OWL einbringen: für eine Versorgung, die besser ineinandergreift und die Menschen im Alltag verlässlich unterstützt.
Veröffentlicht am 14. September 2026 · Alle Beiträge
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